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Slave of God: Delirium im Club

Es ist Freitag, die Nintendo Switch Präsentation ist vorbei und wir haben alle ein Grund zum feiern. Wer aber lieber nüchtern bleiben will und die Erfahrung einer durchzechten Nacht im Club in den eigenen vier Wänden erleben will, dem rate ich Slave of God an. Epileptiker seid gewarnt, denn eine Überstimulation der Synapsen ist in Slave of God garantiert.

Slave of God ist ein experimentelles Videospiel von Stephen Lavelle, der dem ein oder anderen vom Puzzlespiel Stephen’s Sausage Roll ein Begriff sein könnte. Slave of God ist ein Spiel über den Besuch eines Clubs. Desorientierung durch Überreizung aller Sinne ist dabei das zentrale Thema.

Wer schon einmal zu benebelt in einem lauten Club war, dem wird Slave of God einige Erinnerungen wach rütteln.

Der Spieler startet Slave of God am Eingang des Clubs zusammen mit seinem Freund, der scheinbar viel nüchterner ist als wir selbst. Unser Freund rennt uns voraus und wir sind auf uns selbst angewiesen um uns in der lähmenden Umgebung von donnernden Bässen und grellen Neonlichtern zurecht zu finden. Wir folgen unseren Freund, der sich neben die Tanzfläche setzt und wir nehmen einen Moment Ruhe um unsere Sinne zu sammeln. Das Erste was wir machen ist uns und unserem Freund ein Getränk an der Bar zu holen. Wir nehmen ein paar Schlücke, aber merken schnell, dass das nicht förderlich für unsere Wahrnehmung ist. Unser Freund ist in seinen eigenen Gedanken vertieft, weshalb wir uns dazu entschließen neue Freunde zu finden. Mit dem neu angetrunkenem Mut schauen wir uns im Club um und versuchen ein Gespräch mit jemand zu beginnen. Mit guten Intentionen treten wir an ihn heran, die Musik donnert aber zu hart, sodass wir nur Fetzen der Konversation ausmachen können. Wir versuchen ein weiteres Gespräch zu beginnen, aber auch hier ist das Gespräch hoffnungslos und ähnelt eher einem Autounfall als einer Konversation.

Uns bleibt also nur eins übrig: Wir begeben uns auf die Tanzfläche. Keine Sekunde vergeht und unsere Augen fixieren sich auf eine bestimmte Person von der wir den Blick nicht mehr lassen können. Gespräche sind unnötig, wir fühlen nur noch die Musik und sehen einzig und allein diese eine Person. Wir tanzen mit unseren Blicken aufeinander fixiert. Die Wahrnehmung von Zeit und Raum verschwimmt. Sind wir hier schon Stunden oder erst Minuten? Egal, unser Herz schlägt höher.

Zusammen tanzen wir bis wir die letzten Personen im Club sind. Die grellen Lichter des Clubs verdunkeln sich, die Musik verliert an Hektik. Unsere Sinne sind nun endgültig am Ende. Es gibt nur noch zwei Wege: Weiter trinken oder nach Hause gehen. Die Orientierung fällt uns dabei schwer. Wir torkeln durch den düster gewordenen Club auf der Suche nach dem Ausgang. Unser Freund, mit dem wir gekommen sind, ist schon lange ohne uns gegangen. Wir verlassen den Club und endlich können wir uns ausruhen. Unsere Sinne kehren zurück und die Sonne geht auf. Was für eine Nacht.

Slave of God ist eine fast schon psychedelische Erfahrung, welche den Trip in den oder eher den Trip im Club auf eine bizarre visuelle und aurale Art und Weise darstellt. Besonders interessant fand ich den gewollten Mangel an Direktion für den Spieler. Slave of God erzeugt eine gewollte Desorientierung in seiner Spielwelt und macht den Besuch im virtuellem Club zu einem ähnlich auslaugendem Erlebnis wie im echten Leben.

Wer meinen Durchgang zu Slave of God sehen möchte, kann dies auf meinem YouTube Kanal tun.

Im Video habe ich einzelne Interaktionen nicht beachtet, sodass sich ein Download für eure eigene Erfahrung lohnt, sofern ihr Interesse an dem Spiel habt.

Titel: Slave of God

Entwickler: Stephen Lavelle (@increpare // www.increpare.com)

Downloadseite: http://www.increpare.com/2012/12/slave-of-god/

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Ein Kommentar zu „Slave of God: Delirium im Club

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