Essay

Mein Senf zur aktuellen Konsolengeneration

Seit Jahrzehnten ist der Konsolenmarkt für Videospielfans verlässlich und durchschaubar. Alle 6-7 Jahre veröffentlichen die großen Hardwarehersteller eine neue Konsole, die ihre vorherige Generation ablösen soll. Nach einer kurzen Übergangsphase bricht dann die Softwareunterstützung für die alten Konsolen ab und Konsumenten, Softwareentwickler und Hardwarehersteller ziehen weiter.

Das Jahr 2016 hat einen Bruch der alten Traditionen dargestellt. Der Videospielmarkt verändert sich und allen Beteiligten steht eine spannende und ungewisse Zeit voraus. Nintendo beteiligt sich schon seit der Wii nicht mehr am traditionellen Konsolenzyklus, sondern hat sich seinen eigenen eingerichtet. Auch Sony und Microsoft laufen mit der PS4 Pro bzw. Project Scorpio nun eine neue Strategie. Anstatt die alte Generation zu ersetzen, sollen die neuen Konsolen nun den Vorgänger in Mitten des gewohnten Zyklus ergänzen und den Spielern größeren Entscheidungsfreiraum geben. Sowohl Microsoft als auch Sony betonen deutlich, dass ihre neuen Konsolen kein Ersatz der alten Konsolen darstellen. Alle Spiele für PS4, sollen auch auf der PS4 Pro spielbar sein und auch die Project Scorpio von Microsoft soll keine Exklusivtitel erhalten. Für Videospielfans bedeutet dies ein Abschied von gewohnten Traditionen. Konsolen könnten in Zukunft einen Lebenszyklus ähnlich eines Iphones bekommen.

Sony: Playstation 4 & Playstation 4 Pro

Nachdem diverse Internetseiten einen möglichen Nachfolger der PS4 geleakt haben, hat auch Sony einige Tage vor der E3 2016 die Existenz der Playstation Neo bestätigt. Mit Details hielt sich Sony zunächst noch bedeckt und hat die Playstation Neo dann in einem eigenen Event vorgestellt und PS4 Pro getauft.

Sony ist in einer interessanten Situation. Sie sind der momentane Marktführer auf dem Konsolenmarkt. Nachdem die PS3 erst spät in ihrem Lebenszyklus Anklang gefunden hat und Entwickler stets die Xbox 360 bevorzugt hatten, konnte Sony das Debakel der Vorstellung der Xbox One für seine Marketingzwecke benutzen um die Playstation 4 als die beste Wahl für traditionelle Videospieler positionieren. Inzwischen hat die Playstation 4 einen großen Vorsprung: Über 50 Millionen Playstations wurden an den Kunden gebracht und das Softwarelineup ist stark. Mit Horizon: Zero Dawn, dem Reboot von God of War, einer gesunden Indie-Bibliothek und diversen Exklusivtiteln in Entwicklung (The Last of Us: Part II oder Days Gone) hat Sony einige Kracher in den Startlöchern. Alteingesessene Fans werden von Sony auch belohnt mit dem Versprechen Kult-Klassiker wie Shenmue, Crash Bandicoot oder Windjammers neu zu beleben. Auch Third-Party Hersteller bevorzugen die Playstation aufgrund ihrer großen Spielerbasis.

Dennoch muss man sich fragen wo Sony nun hin möchte. Die PS4 Pro ist erschienen und bietet für Technikfans mit geeignetem Fernseher einen Sprung in technischer Qualität.Wie groß der Sprung der Technik in der PS4 Pro tatsächlich ist, wurde bisher allerdings noch nicht bewiesen. Eine handvoll Titel, die bereits auf der regulären PS4 erschienen sind, erhielten nach der Veröffentlichung der PS4 Pro einen Performance Patch, der eine Hochskalierung auf eine 4k Auflösung möglich machte. Andere Titel wie bspw. Rise of the Tomb Raider ermöglichen dem Spieler auf der PS4 Pro eine Auswahl zwischen 60 FPS mit weniger Details oder 30 FPS mit hoher grafischer Auflösung. Das diverse Titel wie The Last of Us Remastered auf der PS4 Pro sogar schlechter liefen, als auf der PS3 sei dahin gestellt und höchstwahrscheinlich eher ein Software Problem, als ein Testament der Qualität der PS4 Pro. Die PS4 Pro scheint allerdings trotz holprigem Start (Performance Probleme, geringe Verbreitung von 4K Fernsehern) positiv bei den Playstation Käufern angekommen zu sein. Die Idee den Spielern mehr Entscheidungsfreiheit beim Konsolenkauf zu geben scheint zu zünden – sowohl PS4, als auch die PS4 Pro verkaufen sich noch immer prima.

Das einzige Sorgenkind in der Playstation Produktpalette ist das Playstation VR Headset. Als günstigste Variante aller auf dem Markt erhältlichen VR Headsets gepaart mit der potentiell sehr starken Videospielbibliothek einer Playstation besitzt Playstation VR immenses Potential.  Sonys Lösung für ein VR Headset ist beeindruckend. Anstatt ein komplett neues Produkt zu entwickeln hat Sony es geschafft mithilfe von bestehenden Ressourcen (PS Move Controller und PS Kamera) eine akzeptables Einsteigermodell für VR Interessenten zu schaffen. Schade nur, dass das Software Lineup der virtuellen Realität auch auf der Playstation sehr schwach ist. Dieses schwache Lineup und der Fakt, dass die PS4 Pro und das VR Headset gleichzeitig für das Weihnachtsgeschäft bereit waren, sendete Kunden die Botschaft: Kauft die PS4 Pro jetzt und das VR Headset später (zumal die VR Performance auf der PS4 Pro auch besser sein soll).

Mit der leistungsstärkeren PS4 Pro und dem PSVR Headset hat sich Sony also schon jetzt für die nächsten Jahre positioniert. Inwiefern diese frühe Positionierung sich auszahlen wird, steht allerdings noch in den Sternen. Denn während Sony versprochen hat, dass alle PS4 Pro Titel auch auf der regulären PS4 spielbar sein werden, bleibt es abzuwarten welche Abstriche Besitzer der regulären PS4 machen müssen. So wird The Last of Us: Part II primär mit der PS4 Pro im Hinterkopf programmiert. Die Frage wann sich Sony und diverse Software Entwickler von der regulären PS4 abkoppeln bleibt spannend. Denn einerseits will man die >50 Millionen bestehenden Kunden nicht mit einem zu kurzen Lebenszyklus verärgern, andererseits muss auch Sony irgendwann einen deutlichen Schritt nach vorne gehen, denn ihr größter Konkurrent ist ihnen dicht auf den Versen.

Microsoft: Xbox One & Project Scorpio

Microsoft hat mit der Xbox 360 die heutige Konsolenwelt pioniert und neue benutzerfreundliche Standards geschaffen was Online-Gaming angeht. Die Xbox 360 war weltweit ein riesen Erfolg und viele Jahre die Platform der Wahl für viele Softwareentwickler. Microsoft war an dem Platz, an dem Sony heute ist. Leider hat Microsoft den Sprung zur neuen Generation suboptimal gemeistert.

Der ursprüngliche Pitch für die Xbox One war mehr als nur eine Spielekonsole. Microsoft wollte Receiver, Rekorder und Konsole in einem sein. Sie wollten auch weg von physischen Datenträgern hin zur Digital-Only World von der oft geträumt wird. Microsoft sprach bei der Vorstellung der Xbox One von „harmonizing your experiences“ anstatt Videospiele zu zeigen. Sie haben die Hardware und den Namen Xbox über die Software gestellt und mussten dafür büßen. Denn Sony hat diesen Fehler schamlos ausgenutzt und sich als bessere Anlaufstelle für Videospieler positioniert. Die Verkaufszahlen der Xbox One belaufen sich heute auf >21 Millionen und somit weit hinter den 50 Millionen Playstations.

Seit dem Debakel der Veröffentlichung kämpft Microsoft mit seinen Hardwareverkäufen. Allerdings scheint auch die Software darunter zu leiden. Mit dem kürzlich eingestelltem Scalebound wurde deutlich wie wenige Exklusivtitel der Xbox noch übrig bleiben. Mit einem Blick auf den Kalender wird 2017 Sea of Thieves und Crackdown 3 erscheinen. Über letzteres herrscht schon länger Funkstille, was viel Raum für Spekulation über den Status des Titels übrig lässt. Die Argumente für eine Xbox One werden also schwächer und schwächer, zumal alle zukünftigen First-Party Xbox One Titel auch auf dem PC im Windows 10 Store erhältlich sein werden. Zugegeben, der Windows 10 Store benötigt noch viel Arbeit im Vergleich zu anderen Distributionskanälen wie GOG Galaxy oder Steam, es ist aber immerhin ein besserer Anfang als Games for Windows Live es damals war.

Gerüchten zufolge wird die Ende 2017 erscheinende neue Xbox (Project Scorpio) leistungsstärker als die PS4 Pro werden. Angesichts der Tatsache, dass bereits die Xbox One auf Windows 10 läuft, liegt die Vermutung nahe, dass Microsoft auf eine Vereinheitlichung ihrer PC Ressourcen und ihrer Konsolen Abteilung abzielt. Wenn Microsoft es gelingt nur einen Bruchteil ihrer über 400 Millionen Windows 10 User für die Xbox oder den Windows 10 Store zu begeistern ist Microsoft wieder im Rennen um die Krone im Konsolenkampf. Mit einer leistungsstarken Konsole, der möglichen Anbindung von Oculus Rift und HTC Vive Usern an die Xbox und dem Vorteil des potentiell stärkeren VR Software Lineups bis Ende 2017 könnte Project Scorpio das werden, was die PS4 Pro schon jetzt sein möchte.

Microsoft hat seit der Veröffentlichung der Xbox zumindestens was das Marketing betrifft, eine 180° Wendung gemacht. Ihre Botschaft an die Spieler ist stets ein Fokus auf die Spiele mit ihrer Platform Xbox & PC lediglich als ein Träger dafür. Microsoft scheint aus seinen Fehlern gelernt zu haben und versucht sich nun neu zu positionieren. Ob sie bis zur Veröffentlichung der Project Scorpio auch ihr Software Problem wieder in den Griff bekommen, bleibt spannend. Inwiefern sie es schaffen PC Gaming mit der Konsole zu verbinden wird sich auch noch zeigen, birgt aber immenses Potential in dem sich ändernen Konsolenmarkt.

Nintendo: Switch & 3DS

Während Microsoft und Sony es unter sich auskämpfen wer den Heimkonsolenmarkt dominieren darf, rollt Nintendo im Hintergrund als perfekte 2. Konsole für PC, Xbox oder PS Besitzer. Mit traditionell innovativen, aber oft unterbenutzten Features in ihrem Konsolendesign schafft Nintendo es zwar interessant zu bleiben, schreckt allerdings oft Third-Party Entwickler ab. Für diese ist die Spieleentwicklung für eine komplett andere Hardwarekonfiguration  oftmals zu risikobehaftet, zumal Nintendo Konsolen sich auch eher schlecht als recht auf dem Markt verbreiten.

Meinen Senf zur Switch Präsentation habe ich bereits abgegeben. Ich bin ein Nintendo Fan und bin immer begeistert von ihrer Hardware und Software, allerdings bin ich sehr enttäuscht von der bis jetzt präsentierten Strategie. Die Switch besitzt das immense Potential Nintendos größte Stärke – den Mobile-Gaming Markt – mit Heimkonsolen zu verbinden. Auch erste Schritte auf Smartphones hat Nintendo bereits gewagt und mit Pokemon Go (auch wenn das nur von Nintendo lizensiert wurde) riesige Erfolge feiern können. Wenn Nintendo es schafft die Erfolge des Mobile-Gaming Markts mit dem Heimkonsolen Markt zu verbinden kann Nintendo ein Comeback im großen Stil machen.

So sehr die individuelle Herangehensweise von Nintendo löblich ist, so traurig ist es wenn Nintendo zu konservativ handelt und etablierte Standards ignoriert. So soll ihr Online-Service auf der Switch auf dem Smartphone laufen, Accessoires und Controller sind überteuert und das Vorzeigespiel der Features der Switch (1-2 Switch) ist ein fragliches Konzept.

Es ist noch zu früh zu sagen, wohin die Switch geht. Daher bleibe ich vorsichtig optimistisch. Wenn Nintendo aber in den nächsten Monaten noch neue 3DS Titel ankündigt und diese nicht auch auf der Switch erscheinen, prophezeie ich ein ähnliches Schicksal wie die Wii U. Natürlich möchte Nintendo seine >60 Millionen 3DS Benutzer nicht vergraulen, indem es schon jetzt ankündigt, dass die Switch ein Nachfolger für den 3DS darstellen könnte, allerdings hat Nintendo auch noch keine Anzeichen gegeben wie es mit dem 3DS weitergehen soll. Diese Herangehensweise ist mir persönlich zu vorsichtig und konservativ und lässt mich befürchten, dass Nintendo sein Fenster zum Riesenerfolg verpassen könnte.

Hoffen wir aber für das beste, denn wenn Nintendo aus allen Kanonen feuert sind sie mit an der Spitze der Videospielindustrie, sowohl was Hard- als auch Software angeht.

Fazit

Der Lebenszyklus der Konsolen hat sich verändert. Die Zukunft der Konsolen wird sich ändern. Während Microsoft den reinen Konsolenmarkt bereits halb abwinkt und versucht auf eine Kombination von PC Gaming und Konsole zu setzen und Nintendo den Mobile-Markt auf den Fernseher bringen möchte, schippert Sony, meiner Meinung nach, noch den traditionellsten Kurs und hält sich die Option offen die reguläre PS4 in 2-3 Jahren durch die PS4 Pro zu ersetzen.

In meinem Leben habe ich jede Konsole besessen, die erschien und jede Konsole hat seine Vor- und Nachteile. Die heutige Konsolengeneration ist allerdings die erste in meinem Leben, die mich skeptisch macht und abwarten lässt. Während ich in der Vergangenheit ein Early Adopter war, gibt es mir heute zuviele wenn und abers, die mich als Käufer unsicher über die Zukunftsfähigkeit der jeweiligen Konsole werden lässt. Ich hoffe natürlich alle Hersteller feiern ihren Erfolg, davon profitiert letztlich jeder Gamer. Es ist aber eine spannende Zeit, dessen Ausgang die Rolle der Konsole in der Videospielindustrie dauerhaft verändern könnte.

5 Kommentare zu „Mein Senf zur aktuellen Konsolengeneration

  1. Stimme dir in den meisten Punkten zu. Insgesamt kann man wohl festhalten, dass die ganze Sache komplizierter geworden ist, und das ist ein Umstand, der mich persönlich eher abschreckt oder sogar von Konsolenkäufen abhält.
    Die große Masse scheint damit, das ist zumindest mein Eindruck, weniger ein Problem zu haben, vielleicht weil sie diese fließenden Entwicklungen von iPads, Smartphones, etc. schon längst gewohnt sind und die Jüngeren es nicht einmal anders kennen. Daher bin ich auch vorsichtig damit, die meisten dieser Entwicklungen per se zu kritisieren, obschon ich sie für mich persönlich wirklich nicht gutheißen kann.

    …andererseits hat sich, auf lange Sicht betrachtet, vielleicht auch gar nicht sooo viel geändert: Der Konsolenmarkt der letzten ca. 20 Jahre mag tatsächlich sehr durchschaubar und verlässlich gewesen sein. Aber in den 80ern oder der ersten Hälfte der 90er sah die Sache noch ganz anders aus. Gerade dann, wenn man all die gescheiterten und oft vergessenen Projekte in die Betrachtung miteinbezieht. In diesem Sinne sehe ich da einige Parallelen zwischen dem Jetzt und den frühen 90ern. Dynamische Zeiten, aber damit auch mit vielen Risiken und Unsicherheiten verbunden – für Konsolenhersteller, Konsumenten und Entwickler.

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  2. Die große Masse stört sich tatsächlich wenig daran. Für Neukäufer, die nicht so tief in der Materie der Videospielindustrie sitzen, ist die Neuausrichtung von Sony und Microsoft sogar von Vorteil denke ich. Man muss dann schließlich nur in den Laden und nach der neuesten Xbox oder Playstation fragen und Spiele mit dem entsprechenden Logo kaufen. Ich erinnere mich selbst daran, dass ich ein Playstation 1 Spiel geschenkt bekommen habe, obwohl ich eine Playstation 2 hatte. Wenn die Marke schlicht zu Playstation oder XBOX wird ist das weniger verwirrend. Ähnlich wie bei Smartphones wird dann im Laden einfach nach der neuesten Version gefragt.

    Mit den 80ern und 90ern gebe ich dir nicht ganz recht. Die obskuren Projekte spielen im größeren Bild der Industrie keine Rolle. Seit Beginn von Heimkonsolen gab es nur 2-3 große Spieler, die den Markt bestimmt haben. Atari vs. Amiga, Sega vs. Nintendo und jetzt Sony Vs. Microsoft mit Nintendo irgendwo am Rand. Sei es jetzt Sega, Nintendo, Atari oder Amiga alle hatten regelmäßige Generationen, die den Vorgänger abgelöst haben.
    Ich verstehe aber was du meinst und Parallelen gibt es, allerdings habe ich das Gefühl das die Industrie jetzt unbekanntes Terrain betritt und man sich nicht an diesen Zeiten orientieren kann.

    Ein großer Unterschied zwischen den experimentelleren Zeiten von früher und heute ist auch die weite Verbreitung von Smartphones und die sehr gute Leistung der meisten Computer und sogar Laptops, die den Kauf einer teuren Konsole für die breite Masse auf Dauer unattraktiver machen könnte. Warum sollte der uninformierte, „kaum-zocker“ sich eine Konsole kaufen wenn er auf seinem Handy ohne große extra Kosten spielen kann?

    Nun wird der Tod der Konsolen beinahe jede Generation vorhergesagt und nie ist das der Fall. Und Fakt ist auch, dass Konsolen noch immer extrem populär sind. Aber es ist deutlich das sich die großen 3 im Moment ausprobieren um auf eventuelle Veränderungen im traditionellen Markt reagieren zu können.

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    1. Stimme dir in vielen Punkten zu. Was allerdings die zwei, drei großen Player und ihre regelmäßigen Generationen angeht: Da möchte ich dir doch noch einmal wiedersprechen. Rollen wir das Ganze mal von hinten auf: Die stabilste Konsolengeneration, die es je gab, war meiner Meinung nach die Generation PS2/GCN/Xbox (und damit auch die Generation, mit der ein Großteil der heutigen Online-Kommentatoren wohl großen geworden ist). Da gab es zu Beginn zwar noch Sega mit der DC und MS war ganz neu dabei, und Onlinegaming fand Verbreitung. Aber ab 2003 lief das alles in sehr geregelten Bahnen. Die Folgegeneration um PS3 und Wii erscheint auf den ersten Blick fast noch „stabiler“, was wohl daran liegt, dass sie von genau den selben Akteuren getragen wurde und so lange aktuell war, wie kaum eine Generation zuvor. Auf der anderen Seite bröckelt diese Stabilität hier schon: Nintendo fährt eine ganz andere Strategie, die MS und Sony im späteren Verlauf auf ihre Art imitieren, während sich die Bedeutung von Dingen wie Festplatten und Spieledownloads während der Generation enorm verändert – eine X360 war in 2005 eine ganz andere Konsole als 2012.

      Die 80er lasse ich an dieser Stelle einmal außen vor, da kenne ich mich auch nicht gut genug damit aus. Aber was die erste Hälfte der 90er angeht, da sollte man sich gerade nicht dem Trugschluss hingeben, dass damals nur die Konsolenhersteller eine Rolle gespielt hätten, die wir heute als die „großen“ wahrnehmen, und ebensowenig dass sie ihre Konsolen mit einer derartigen Regelmäßigkeit auf den Markt gebracht hätten. Was Sega anbelangt, da lief zum einen das Master System noch lange neben dem Mega Drive weiter. Dann gab es das Game Gear, dass zwar kein Totalflopp wie Nintendos Virtual Boy war, aber auch nicht gerade ein Erfolg. Ich glaube, dass man im Rückblick die WiiU ungefähr auf dieser Stufe sehen kann. Das offensichtlichste Beispiel scheint mir aber, wie Sega das Mega Drive so lange mit immer neuen Upgrades bedient hat, bis auch der letzte Spieler (und Händler, und Entwickler) verunsichert war. Innovationen wie 3D und Compact Disc haben den Markt damals ungefähr so sehr aufgemischt, wie VR und Motion Control das heute tun. So wurde auch Segas Saturn noch kurzerhand auf 3D getrimmt.

      Nintendo, da schaut die Sache tatsächlichs stabiler aus, aber es hätte auch ganz anders kommen können. NES, SNES, N64, da gab es Satellittenservices, Diskettenlaufwerke, Expansion Paks, etc., und bekanntlich hat auch die Playstation einmal als SNES-Addon angefangen. Und der Virtual Boy ist nicht zu vergessen, der schon damals ein Zwischending aus Heim- und Unterwegskonsole war, wenn auch unter negativem Vorzeichen: Wo Switch als Heimkonsole zum Mitnehmen oder Handheld zum an den TV anschließen durchgeht, war der VB eine Art Handheld, mit dem sich unterwegs NICHT spielen ließ. Und damit im Rückblick schon selten doof. 😉

      Dann Sony, deren Playstation den Markt aufmischen und vielleicht gerade wegen ihrer besonderen Dominanz für die nächsten 15 Jahre konsolidieren sollte. Aber das war keine Selbstverständlichkeit und Sony war damals nicht mehr oder weniger „Konsolenhersteller“ oder „großer“ Konsolenhersteller als beispielsweise Philips es gewesen wäre. Nun kann man all die Gründe aufzählen, warum es dem CDi, dem 3DO oder dem Atari Jaguar nicht gelungen ist, den Markt auf die selbe Weise zu dominieren. Und im Rückblick wohl zum Schluss kommen, dass sie nie eine Chance hatten. Aber zu ihrer Zeit war das alles andere als eindeutig.

      Das TurboGrafx16 war in einigen Ländern eine ernstzunehmende Konkurrenz und wurde selbst mit einem Disc-Laufwerk hochgelevelt, und mit dem Neo Geo bediente eine hochpreisige Konsole eine „Pro“-Nische. Und damit ist die Liste noch nicht vollständig. Klar schweben über alledem die „zwei, drei Großen“. Aber dass gerade sie die Großen sind und sein sollten, war damals nicht so klar.
      Daher mein Eindruck, dass, im Gesamtbild, die Stablität der Ära PS2 (und mit kleinen Abstrichen der Generation davor sowie der danach) eher die Anomalität als die Regel war. Ich stimme dir aber vollkommen zu, dass man die gegenwärtige Situation mit den 90ern nicht einfach gleichsetzen kann. Vor allem nicht aus Sicht der Industrie! Aus Spielersicht gibt es imo aber zumindest Parallelen.

      Das Thema Konkurrenz durch den PC ist imo kein neues, das gibt es seit 20 Jahren und in all der Zeit hat sich nicht wirklich viel verändert, da wechseln sich Phasen, in denen die Konsolen totgeredet werden mit solchen, in denen der PC als Spieleplattform im Sterben läge, mit schöner Regelmäßigkeit ab. Natürlich ist die ganze Sache komplexer, als ich das gerade darstelle, ich glaube aber nicht, dass hier auf absehbare Zeit große Veränderungen zu erwarten sind.
      Ich finde auch, dass man durchaus Parallelen ziehen kann, zwischen dem Verhältnis PC/Konsolen um die Jahrtausendwende und dem zwischen Spielehandhelds und Smartphones heute. Das Argument war und ist fast immer das selbe. Ich glaube nicht, dass Smartphones die Handheld-Konsolen ganz verdrängen werden. Uninformierte „Kaum-Zocker“ waren auch früher nicht das Hauptpublikum des GameBoy. Beim DS sah das dann etwas anders aus, aber nur weil die Verkäufe zukünftiger Handhelds nicht mehr das Niveau des DS erreichen mögen, dürften sie kaum verschwinden.

      Spannend ist es allerdings auf jeden Fall. Und gerade weil sich der Markt verändert, kommen immer wieder neue Innovationen. Dass Nintendo gerade mehr oder weniger notgedrungen seine Heimkonsolen- und Handheld-Linien vereinigt, hat für mich als Konsument ganz praktische Vorteile. Am Ende könnte es passieren, dass ich auf diese Weise zum Handheld zurückfinde (nachdem ich nie einen 3DS hatte). Einfach, weil ich mir keinen separaten Handheld mehr kaufen muss. Die PS4 Pro halte ich hingegen für eine furchtbare Idee, hab bisher aber auch nicht den Eindruck, dass sie „spielbestimmend“ wird. Und so lange Nintendo noch Ideen hat, wie sie in der Switch ihre Verwirklichung finden, kann kein noch so spielegeeigneter Laptop die Konsolen ersetzen.
      Man muss ja auch sehen, dass die Verkäufe keineswegs zurückgehen. Ich glaube, die PS4 hat sich bisher schneller verkauft als die PS3, dabei war die letzte Konsolengeneration die bisher erfolgreichte. Und auch die Verkäufe des 3DS sind gemessen an allen anderen Nintendo-Konsolen außer Wii und DS noch enorm. Was man aber auf jeden Fall beobachten kann, das ist ein RELATIVER Bedeutungsverlust des klassischen Konsolen-Gamings. Was früher DER Spielemarkt war, ist heute nur noch ein exponierter Teil davon. In 10 Jahren vermutlich nur noch eine Randerscheinung.

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      1. Danke für den ausführlichen Kommentar. Du wirfst gute Punkte auf. Im Rückblick ist sicher einfacher zu sagen, wer die bestimmenden Parteien im Markt waren. Daher lenk ich auch etwas ein und geb dir recht, dass es aus der Sicht der Konsumenten wahrscheinlich nie eindeutig war wer der „Gewinner“ der Generation war. Nicht umsonst gab und gibt es immer noch diese albernen Konsolenkriege und PC vs. Konsole Mentalität.

        Die Videospielindustrie ist nun mal noch sehr sehr jung im Vergleich zu allen anderen Formen von Unterhaltungsmedien. Wo die Reise letztlich hingeht ist, bleibt spannend 🙂

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  3. Spannend bleibt es auf jeden fall und der Artikel sowie eure Komments beleuchten gute Punkte. Eine aktuelle High End Konsole ist ein regelrechtes Entertainment System und ich muss sagen, es freut mich in einem technischen Zeitalter wie unserem heutigen zu leben 😀
    Konkurrenz zwischen den Herstellern finde ich gut und für mich gibt es keine beste Konsole sprich Plattform. Alle haben ihre Vorzüge und letztendlich entscheidet sich jeder Gamer für die (oder alle) welche einen ansprechen.
    Bis zur Playstation 1 war ich Nintendo Konsument (Nes, Snes, N64, GBC, Wii), XBox hatte ich nur die 360 gehabt, wegen Final Fantasy, aber mein Herz gehört bis aktuell der Playstation (PS4) 🙂
    Vielleicht aus nostalgischen Gründen, oder den Spielen oder einfach weil der Pad so perfekt designed ist 😀
    Die XBox One spricht mich nicht an, weil es m.M.n. kaum bis keine ansprechenden Spiele gibt. Nintendo finde ich ist eher was für Kiddys oder Familien, eher zu kitschig für meinen Geschmack.. Und die PS4 deckt aktuell all meine spielerischen Bedürfnisse ab. Auch bin ich gespannt, wie es sich in Zukunft mit der VR Technik entwickelt. Wenn die XBox Scorpio erscheint und Oculus, sprich Rift sich durchaus etablieren, wird es ein ernstzunehmender Konkurrent, auch das Plattformübergreifende Feature, PC und Konsole miteinander zu verknüpfen hört sich sehr effizient an und dürfte den konkurrierenden Markt zugunsten Microsoft etwas aufwirbeln.
    Auch das Technische Upgrade der PS4 Konsole auf die Pro empfinde ich nicht so kritisch als das man sich eine neue Konsole hätte kaufen müssen. Das Preis Leistungsverhältnis bleibt soweit bestehen, bis auf das man quasi gezwungen ist seine aktuelle Ps4 zu verkaufen, die Differenz draufzulegen (im schlimmsten Fall ca.100€) um sich dann sozusagen das Pro Upgrade zu gönnen.
    Es gibt lediglich drei Punkte, die mich an der PS4 stören, das wäre zum einen das man keine Spiele der VorgängerKonsole (PS1, 2 & 3) spielen kann, das die Scorpio im Gegensatz zur PS4 Pro ein 4K Blueray Laufwerk hat und das man für Playstation Plus zahlen muss.. Eine der größten Frechheiten übrigens um Online spielen zu dürfen, was auf PC Plattformen nichts kostet, ja ich weiß – Microsoft hatte es damals auf der Xbox360 eingeführt -,-

    So, hab schon nen halben Roman geschrieben (war nicht beabsichtigt), jedenfalls Danke für den guten Beitrag.
    Follow, like und ein schönen Gruß =)

    Gefällt 1 Person

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