Essay

Mein Senf zu #Nostalgie

Nach 120 Schreinen, 110 Krog-Samen und 64 genialen Stunden in Zelda: Breath of the Wild bin ich noch immer dabei meine Gedanken zu dem Spiel zu sortieren und mein Schlussfazit zu schreiben. Wenn alles gut läuft gibt es das morgen auf meinem Blog. Woran ich während meiner Spielzeit allerdings immer denken musste, waren meine ersten Erfahrungen mit Videospielen. Ich bin damit nicht allein, wenn man die Online-Diskussionen mitverfolgt.

Das Gefühl von Entdeckung und das Austauschen mit anderen Spielern, die über Geheimnisse in der Spielwelt tuscheln, bot ein Spielerlebnis, dass ich länger nicht mehr erlebt habe. Zelda: Breath of the Wild hat das Nostalgiezentrum in meinem Gehirn stark getroffen und mich an Zeiten erinnert, in denen ich einen Schulfreund anrufen musste, wenn ich nicht wusste wie es in einem bestimmten Spiel weiter geht. Jede einzelne Stunde in Hyrule bot eine neue Entdeckung oder ein neues Rätsel das es zu lösen galt. Viele Spieler in Online-Foren schreiben das der Nostalgie zu und meinen, dass das neue Zelda nur des Namen wegen zu hoch belohnt wird.

Und das kann ich verstehen, denn auch ich mag ich viele Gameplay-Elemente im neuen Zelda nicht so sehr. Auch an die Zelda Serie als Gesamtes habe ich keine große emotionale Bindung. Das originale NES Zelda finde ich zu kryptisch, Zelda II zu langweilig, A Link to the Past ist gut, der 3DS „Reboot“ allerdings besser, Ocarina of Time war mein erstes Zelda, Majoras Mask mochte ich damals nicht, Wind Waker war sehr gut, Twilight Princess ist zu vergessen, Skyward Sword war langweilig und die Mobile-Ableger interessieren mich bis auf eine Ausnahme nicht sonderlich. Dennoch konnte ich die Nostalgie in Zelda: Breath of the Wild spüren. Es war deutlich zu erkennen, dass das Spiel ein spezielles Gefühl von Entdeckung und Abenteuer erwecken wollte, dass viele Videospieler in Zeiten von Händchen haltenden Tutorials sehr vermissen. Dieses Gefühl von Nostalgie, ein Stück aus der Vergangenheit erneut erleben zu dürfen, ist stark und wirft oft jede Objektivität (wenn es das bei Videospielen überhaupt gibt) aus dem Fenster.

Nostalgie und Videospiele gehören seit Jahren fest zusammen. So sehr, dass selbst Nintendos Marketingstrategie immer wieder auf die sepia gefärbten Herzen seiner Fans abzielt. Oft habe ich das Gefühl, dass wir als Videospieler zu sehr an unseren alten Flammen festhalten. Als ob diese für immer verschwinden würden, wenn wir sie in Online-Foren nicht permanent auf ein Podest heben und sie auf Platz 1 unserer „All-Time Favorites“ setzen. Irgendwie können wir nicht loslassen und irgendwas bindet uns an unsere Shenmues, Power Stones oder sonstigen vergessenen Perlen.

Damit ist im Prinzip auch nichts verkehrt. Aufgrund dieser Verbindung von Videospiel und Nostalgie gibt es erst Spiele, die noch in der heutigen Zeit eine bestimmte Ära erwecken wollen. Shovel Knight ist ein Beispiel wie man dies erfolgreich schaffen kann. Die Kehrseite allerdings, ist zum einen der überlaufende Steam-Shop, in dem Entwickler mit wenig Mühe die Nostalgiekuh melken wollen. Zum anderen werden uns auch regelmäßig neue Teile einer bestehenden Franchise präsentiert, die uns versichern wollen, dass dieser neue Teil, tatsächlich die Qualität des Originals erreichen soll. Sonic ich schiele zu dir…

Unsere rosarote Brille in die Vergangenheit kann also der Effekt von erfolgreichem Marketing sein. Weil Nintendo sagt, sie hätten sich am Original orientiert, fühlen wir auch unterbewusst was sie damit meinten wenn wir den neuesten Ableger spielen. Aber es ist nicht das Marketing alleine, das uns beeinflusst. Es liegt an uns, denn wir sind empfänglich für solche Gefühle. Nur deshalb kann das Marketing überhaupt erfolgreich sein.

Warum wir also empfänglich sind für solche Gefühle, ist was mich in meiner Spielzeit von Zelda: BotW beschäftigt hat. Ich möchte Zelda in meinem Schlussfazit nicht aus Nostalgiegründen loben, da ich das Gefühl habe, dass das dem Spiel nicht gerecht wird. Denn auch neue Spieler können Spaß an diesem Spiel haben. Gleichzeitig kann ich dieses Gefühl aber auch nicht los lassen, denn wer von seinen nostalgischen Gefühlen los lässt, vernachlässigt die Argumente, die sein Lieblingsspiel in der Vergangenheit erst zum Liebling gemacht haben.

Also was ist mein Senf zu #Nostalgie nun? Auf der einen Seite ist es eine schöne Erinnerung oder ein schönes Gefühl an sorglosere Zeiten. Auf der eine anderen Seite aber auch ein Marketingwerkzeug, dass genau dieses Gefühl ausnutzen möchte. Es ist also schwierig abzuwägen, was was beeinflusst und wieso wir Nostalgie so stark spüren. Allerdings komme ich nach Überlegen am Ende eigentlich nur zu folgender Schlussfolgerung:

Nostalgie ist eine Erinnerung an einen Moment oder ein Gefühl, welches über Jahre bei uns geblieben ist. Kein Moment bleibt solange in unseren Erinnerungen, wenn es nicht ein bedeutsamer war. Wenn wir also an unsere Lieblingsspiele denken und sie in den Himmel loben, ist das kein lebloser Marketingeffekt. Wir loben sie weil sie gut waren und weil sie in einem Moment in unser Leben kamen, in dem wir etwas Gutes brauchten. Und auch wenn der Moment in denen wir sie brauchten mit der Zeit immer weiter nach hinten fällt, bleibt er uns in der Zukunft für immer positiv in Erinnerung.

Nostalgie ist also nichts schlimmes, keine Manipulation des Marketings. Im Gegenteil: Nostalgie ist vielmehr ein persönlicher, emotionaler Katalysator, welcher unsere Leidenschaft nur weiter vorantreibt.

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13 Kommentare zu „Mein Senf zu #Nostalgie

  1. Ich finde es zum ersten bemerkenswert, dass bei einem so jungen Medium mit einem so jungen Publikum bereits das Thema Nostalgie aufkommt.
    Zum zweiten würde ich deine Defintion von Nostalgie um den „Moment“ erleichtern: Nostalgie ist also (primär) die Erinnerung an Gefühl und selbst nur ein Gefühl. Es hilft uns dabei, Fehler oder Mängel von alten Spielen zu akzeptieren, wenn wir sie heute noch einmal spielen. Beispiel: Ocarina of Time oder (das in meinen Augen viel viel bessere) Majoras Mask. Wenn ich die heute spiele, kann ich die diversen kleinen und großen Mängel ausblenden bzw. verschmerzen. Wenn ich hingegen Spiele von damals, die ich zu ihrer Zeit nicht gespielt habe, heute anfasse, stören mich die Fehler viel mehr.
    Das mal als Diskussionsanregung 😉

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    1. Das ist was ich meine, wenn ich sage das Nostalgie oft einen gewissen Grad an Objektivität aus dem Fenster wirft. Mir geht es genau so, dass ich mich mehr an Designschwächen und Fehlern störe, wenn ich das Spiel nicht aus meiner Kindheit kenne.
      Und das warum so eine Nostalgie für mich so ein zweischneidiges Schwert ist. Das Remake von Crash Bandicoot ist ein gutes Beispiel hierfür. Ich verstehe absolut warum Fans einen neuen Ableger wollen. Crash Bandicoot war ein wichtiger Bestandteil der Playstation. Gleichzeitig ist die Franchise aber ein Relikt aus seiner Zeit. Das Charakterdesign von Crash ist so unpassend für die moderne Videospiel- und Pop-Kultur.
      Ich meine schau dir Crash und seine Präsentation an: https://www.youtube.com/watch?v=wYEz7t3UbB4

      Ähnlich verhält es sich mit Duke Nukem. Es gibt immer noch Fans, die unbedingt einen neuen Teil haben möchten. Aber Duke Nukem passt einfach nicht in die heutige Zeit mit seinen 80-er Jahre, Actionfilm inspirierten Macho-Sprüchen. Soll nicht heißen, dass ein neuer Ableger automatisch schlecht wäre, aber man muss erkennen können, das ein „Re-design“ notwendig ist wenn die Franchise relevant bleiben soll.

      Auch Shenmue habe ich im Beitrag oben kurz erwähnt. Shenmue hat mich damals umgehauen. So eine Offene Welt gab es einfach nicht. Was bietet die Franchise aber heutzutage noch? Meiner Meinung nach nicht viel, weshalb ich sehr gespannt bin was Shenmue 3 wird, sollte es tatsächlich irgendwann erscheinen.

      Egal ob Crash, Duke, Shenmue oder sonstige Klassiker. Alle haben seinerzeit ihren Teil zur Entwicklung der Industrie beigetragen und sind es Wert über sie nostalgisch zu sein.
      Und das ist auch gut so. Man muss aber erkennen, welche Elemente aus vergangener Zeit heute noch relevant genug sind um wieder aufzugreifen. Und man sollte sich schon fragen, ob man die Vergangenheit nicht lieber da lässt wo sie war.

      Zum Thema Nostalgie im jungen Medium. Ich denke das hat mit der extrem schnellen Entwicklung des Mediums und der Technik zu tun. Und damit, dass die Videospiel-Community als ganzes zusammen mit dem Medium aufgewachsen ist.
      Yooka-Laylee wird bald erscheinen und zielt voll auf die N64-Gefühle (https://pbs.twimg.com/media/C7rTEFsXQAAt8rn.jpg). Hier wird sich wieder zeigen, ob die richtigen Elemente aus der Vergangenheit in die Moderne geholt wurden.

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  2. Sehr lesenswerter Artikel bezüglich der Nostalgie! Was schlimmes(?), definitiv nicht! Die ersten Spiele sind immerhin am prägendsten für jeden Gamer und überhaupt ein wichtiger Faktor, damit wir im nachhinein sowas wie Nostalgie empfinden können. Spiele wie z.B. Resident Evil, Metal Gear Solid oder das von dir erwähnte Zelda Ocarina of time feiere ich bis heute, das ich damals diese Meilensteine in der Spielegeschichte zocken durfte und mich heute an soliden Remakes erfreuen kann.
    Klar verändert sich die Gamingwelt stets (wenn auch nicht mehr so rasant) so das es vor allem in Spielen, welche langzeiterfolgreich sind der Begriff Nostalgie dort sehr präsent ist. Ein gutes Bsp. hier wäre z.B. Blizzards World of Warcraft. Schaut man sich die Community dort an, so wünschen sich die Mehrheit der (älteren) Spieler sog. Klassikserver, weil ja damals alles sooo viel besser war usw.
    Ich denke das vor allem in der Spielebranche, allgemein der Begriff „Nostalgie“ immer präsent sein wird, solange es Spiele gibt, was auch gut so ist!

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    1. Die Spiele, die du erwähnst finde auch ich klasse.. weil ich damit aufgewachsen bin. Ich kann aber absolut verstehen wenn Spieler von heute nichts damit anfangen können. Nicht umsonst sind die neuesten Resident Evil, Metal Gear Solid und Zelda Ableger so radikal anders als ihre Vorgänger. Man muss nämlich auch bedenken, dass Spiele sich in den letzten Jahren nicht nur technisch weiterentwickelt haben, auch das Design vom Gameplay selbst verändert sich. Ich denke durch die Nostalgie können wir diese Schwächen sehen als eine Art historischen Meilenstein in der Entwicklung des Medium als Ganzes. Ohne Nostalgie jedoch, sind es einfach nur Schwächen.

      Das von dir angesprochene World of Warcraft mit seinen Klassik-Servern ist ein tolles Beispiel. Ich habe WoW erst nach der 3. Erweiterung gespielt, bin aber vertraut mit „alten“ MMOs (mein erstes war Dark Age of Camelot). Heutzutage könnte ich manche Design-Entscheidungen von diesen alten MMOs absolut nicht mehr verkraften. Andere hingegen sehen sich so sehr danach, dass sie eigene Klassikserver errichten. Ist schon eine starke Kraft, diese Nostalgie 😉

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