Reviews/Kritiken

Hollow Knight: Die melancholische Welt der Insekten

Hollow Knight ist ein 2D-Action Platformer vom australischen Entwicklerstudio „team cherry“. Auf dem ersten Blick wird jedem Videospieler klar sein woher Hollow Knight seine Inspirationen zieht. Es sieht aus wie ein Metroid-Spiel und ist auch von seiner Struktur Nintendos 20 Jahre alter Formel sehr ähnlich. Allerdings pinselt das junge Entwicklerstudio genug Schichten frische Farbe auf die altbackene Architektur um das Gesamtwerk strahlend neu erscheinen zu lassen. Hollow Knight macht keine Geheimnisse aus seinen Vorbildern von Metroid, Dark Souls, Ori and the Blind Forest und Super Meat Boy. Trotzdem schafft es das Spiel auf seinen eigenen Beinen zu stehen.

Die Geschichte von Hollow Knight spielt in einer von Käfern bevölkerten Welt, welche einst von einer prächtigen Zivilisation geprägt war, die inzwischen allerdings zu melancholisch, mysteriösen Ruinen verkommen ist. Der Spieler übernimmt dabei die Rolle eines kleinen, mutigen Helden, der seinen Platz in der Welt finden und den Geheimnissen der Vergangenheit auf die Spuren kommen muss. Die Präsentation der Geschichte in Hollow Knight ist dabei düster und gewollt vage gehalten. Auf seinen Reisen trifft der Spieler eine Vielzahl von genial gezeichneten Charakteren, die ebenso viele Fragen über den Status der Welt aufkommen lassen, wie sie auch beantworten. Die Welt von Hollow Knight ist gefüllt von alten Überlieferungen, Sagen und Mythen, die der Spieler im Verlauf des Spiels nach und nach zusammen puzzeln kann. Ebenso ist es allerdings leicht möglich diverse Teile der Geschichte zu verpassen, da die Welt riesig und die Erzählungen kryptisch sind. Für meinen ersten 100% Durchlauf des Spiels habe ich knapp 25 Stunden benötigt und war zu Beginn überwältigt von der schieren Größe und Freiheit des Spiels.

Genau hier liegt aber nämlich die größte Schwäche von Hollow Knight. Anders als bei Genre Geschwistern ist die Weltkarte nicht nur ein Mittel zur Orientierung, sondern ein zentrales Gameplay-Element. Beim ersten Betreten eines Areals fehlt dem Spieler noch eine passende Karte. Erst nachdem der Spieler den Kartografen gefunden und ihm eine Karte abgekauft hat, wird ihm ein Teil der Spielwelt angezeigt. Aber damit noch nicht genug: Die Karte aktualisiert sich nicht automatisch beim Betreten eines neuen Raumes. Erst nach dem Rasten auf einer der sporadisch verteilten Bänke, die gleichzeitig als Checkpoint-System dienen, werden die erkundeten Bereiche ausgefüllt. Dieses System führt dazu, dass dem Spieler ein Anreiz geboten wird ein neues Gebiet auf eigene Faust zu erkunden. Das führt auch zu spannenden Momenten, da man nicht weiß welche krabbelnden Monster einen an der nächsten Ecke erwarten. Problematisch wird es allerdings wenn man seit dem letzten Checkpoint schon eine weite Reise hinter sich hat und herumirrend in einem der klaustrophobische Gänge sein Ende findet. In diesem Fall, fällt man nicht nur wieder weit zur letzten besuchten Bank zurück , sondern verliert auch all sein gesammeltes Geld. Wiedererlangen lässt sich dieser Verlust erst, wenn man sein dunkles Phantom an seinem letzten Grab besiegt. Das Erkunden der Welt, kann so stellenweise sehr frustrierend werden, da man sich anfangs noch sehr planlos umher bewegt. Nach ca. 2 Stunden Spielzeit konnte ich mich allerdings so an diese Regeln gewöhnen, dass ich meine Erkundungsrouten entsprechend planen konnte, sodass ich nie weit von einem Checkpoint entfernt war. Zwar verbinden sich alle Gebiete mit zunehmender Spielzeit durch eine Vielzahl von Abkürzungen immer mehr, dennoch ist das erneute Besuchen bereits erkundeter Gebiete unvermeidlich und teilweise recht zeitintensiv und frustrierend. Wer sich an solchem Design stört, der sei hiermit gewarnt, denn Hollow Knight scheut in absolut nicht davor frustrierend zu sein. Überkommt man aber die anfängliche Ziellosigkeit und wird man vertraut mit dem Layout der Welt wird man von den obskuren Charakteren, den anspruchsvollen Sprungeinlagen und den genialen Bosskämpfen belohnt.

Das Kampfsystem in Hollow Knight ist simplistisch und zunächst hatte ich mir ein etwas tiefgehenderes Kombosystem gewünscht. Dieser Wunsch wurde, je tiefer ich in das Spiel eintauchte allerdings immer schwächer. Die Variation und der Tiefgang des Kampfsystems liegt nämlich nicht in den Schlägen des Spielers selbst, sondern in der Vielzahl an Gegnertypen mit jeweils einzigartigen Angriffsmustern, die ihrer Umgebung angepasst sind. Zwar gibt es Kampfupgrades für den Spieler zu finden, diese ändern die Action aber nur unwesentlich. Wie man einem Gegner entgegentritt ist immer abhängig von seiner Position in der Welt und seinem Angriffsmuster. Dies führt dazu, dass der Kampf nicht das gekonnte Drücken der „Schlag-Taste“ abverlangt, sondern regelmäßig die Mobilität des Spielers testet. Die Variation der Gegnertypen zwingt den Spieler dann zwischen Sprung, (Air-)Dash und Schlag abzuwechseln um zwischen den Attacken von Gegnern durch zu flitzen. Diese Kreativität an Gegnerdesign und Mobilität des Spielers erlaubt Hollow Knight für mit den spaßigsten Bosskämpfen, die ich seit langem in einen 2D-Spiel gespielt habe. Es war unheimlich befriedigend die Muster anfangs unmöglich erscheinender Bosse herauszufinden und dann zu meistern. Hollow Knight mag simpel erscheinen, ist aber ein sehr herausforderndes Spiel mit überraschend viel Tiefgang in seinen Kämpfen. Wer das verstecke Ending sehen möchte, der macht sich besser schon jetzt bereit für einige brutale Kämpfe und Sprungpassagen. Helfen tut dabei auch Hollow Knights Talisman-System. Im Spiel gibt es eine Vielzahl von Talismanen zu entdecken, die als passive Modifikationen dienen. Manche lassen den Spieler schneller oder stärker angreifen, andere erzeugen bspw. eine Giftwolke um den Spieler wenn dieser sich heilt. Die Variation in den verschiedenen Talisman-Kombinationen erlaubt so für individuelle Spielweisen und Taktiken und fügt eine weitere Schicht Tiefgang hinzu.

Alles in allem steht Hollow Knight trotz deutlichen Inspirationen von anderen Spielen auf seinen eigenen Beinen. Damit muss es sich auch nicht verstecken, denn Hollow Knight ist für mich, trotz der konfusen Wegfindung und der etwas trägen ersten paar Spielstunden, eines der besten Beispiele aus dem Genre. Vor allem die fordernden Bosskämpfe kann ich nicht oft genug loben. Hollow Knight ist ein schweres aber faires Spiel, mit dem Komplettisten im ersten Durchgang leicht 20-30 Stunden Spielzeit füllen können. Für Fans des Genres oder für Leute, die es werden wollen und die sich nicht vor einer Herausforderung scheuen, ist Hollow Knight absolut zu empfehlen. Macht euch nur darauf gefasst euch ab und an etwas zu verlaufen.

Preis: 14,99€

Link zur Steam-Seite von Hollow Knight:
http://store.steampowered.com/app/367520/

Link zur GoG-Seite von Hollow Knight:
https://www.gog.com/game/hollow_knight

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