Essay

Cheaten oder nicht Cheaten?

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Der Konami Code ist wohl der bekannteste Cheat-Code aller Zeiten. Nicht nur hat es Spaß gemacht zu entdecken in welchen Spielen er funktioniert, er war für viele Spieler absolut nötig um die extrem schweren Nintendo Spiele überhaupt durchspielen zu können. Cheats waren in meiner Spielehistorie immer eine Quelle von Spaß. Sei es „how do you turn this on“ in Age of Empires, „rosebud“ in Die Sims oder „idkfa“ in Doom. Cheats haben mir erlaubt die Spiele ohne Angst vor einer Niederlage in Ruhe spielen zu können. Man konnte alle Optionen ausgiebig testen und herausfinden wie die Zahnräder sich genau drehen. Cheats machen auf einem gewissen Level Spaß. Sie ruinieren aber auch die Erfahrung. Sie gehen entgegen dem was der Entwickler für die Spielerfahrung vorausgesehen hat und sind in Multiplayerszenarien wohl die Todsünde in der Spielergemeinschaft. Nicht nur sind Cheats im allgemeinen seltener geworden, gegen sie wird inzwischen auch hart vorgegangen. Dennoch lässt sich der Dran zum schummeln einfach nicht stoppen.

Was zählt als Cheaten?

Cheaten im allgemeinen bedeutet schlicht schummeln bzw. das Austricksen von Gameplay-Mechaniken um den vom Entwickler gewünschten Weg zu umgehen. Manche Spiele erlauben ein solches Austricksen ausdrücklich. In Dark Souls lässt sich die durchschaubare künstliche Intelligenz der Feinde manipulieren um die Schwierigkeit eines Feindes zu minimieren. Zwar ist das eine Form von Schummeln, aber wir würden es nicht Cheaten nennen, denn immerhin sind die Mechaniken im Spiel. Man macht nur klugen Gebrauch von ihnen. Etwas anders verhält es sich in dem neuesten Ableger der Hitman-Serie. In Hitman gab es sogenannte Elusive Targets. Missionen, die in welchen man nicht speichern konnte und für die man nur einen Versuch hat. Eine Niederlage bedeutet permanenten Ausschluss aus dieser Mission. Warum dieses Design wichtig ist, könnt ihr hier nachlesen. Es gibt aber einen Trick um die Regeln etwas auszudehnen. Zwar kann man nicht speichern und eine Tod bedeutet eine permanente Niederlage, allerdings kann man die Mission neustarten. Eine Taktik war es zunächst in Ruhe den besten Weg für die Missionen auszuspähen, dann die Mission zu verlassen um dann im nächsten Versuch einen gigantischen Vorteil zu haben. Das Spiel erlaubt für dieses Vorgehen, aber ein vorzeitiges Ausspähen einer solchen Mission ist absolut nicht im Einklang mit dem Design der Elusive Targets. Es ist also ganz klar schummeln, aber man drückt ein Auge zu, denn es erleichtert den Druck, den diese Mission dem Spieler auferlegt. Und wenn ein Spieler den Druck nicht möchte, sondern einzig die Belohnung für einen Sieg erlangen will, dann sei das erlaubt. Aber trotzdem fühlt es sich nicht „richtig“ an.

Was ist aber wenn wir an einer besonders schweren Stelle in einem Spiel absolut nicht weiterkommen und ständig sterben. Dann können wir ja kurzzeitig den Schwierigkeitsgrad herunterschrauben und bis zum nächsten Abschnitt fliegen. Wenn es uns dann zu einfach ist, drehen wir den Schwierigkeitsgrad einfach wieder hoch und niemand muss von unserer schamvollen Tat erfahren. Das ist doch in Ordnung, oder? Manche Spiele gehen aber gegen dieses spezielle Vorgehen vor, indem es bestimmte Achievements nicht gewährt wenn der Schwierigkeitsgrad während einem Durchgang verändert wurde. Es ist also nicht direkt schummeln, aber auch nicht der gewollte Weg des Entwicklers, denn es verändert die Erfahrung, die das jeweilige Spiel liefert. Und was ist mit Strategy-Guides und Komplettlösungen? Sind sie Unterstützungen oder schlicht Schummeleien?

Die Antwort ist nicht überraschend sehr subjektiv. Im Allgemeinen ergeben sich aber drei Perspektiven. Die erste ist die purste Form. Jede Art von Hilfe, die von außerhalb des Spiels kommt ist verboten. Ein Videospiel ist ein Test und eine Erfahrung für den puren Spieler. Sie wollen sich fordern und zur Not auch ihren Kopf hundert mal gegen eine Wand schlagen, bevor diese einbricht.

Die zweite Perspektive sieht Komplettlösungen und Tipps von außerhalb als akzeptabel an, ist aber gegen eine Modifizierung von Spielinhalten durch Hacks oder Cheat-Codes. Sie wollen Spiele so erfahren, wie der Entwickler es wollte, schrecken aber nicht davor zurück sich etwas Unterstützung zu suchen um zu verstehen was der Entwickler voraussetzt. Immerhin sollen Videospiele Spaß machen und gegen eine Wand zu laufen ist das Gegenteil von Spaß.

Die dritte Perspektive sieht in einem Singleplayer Spiel keine Grenzen für Cheats. Schummeleien bestehen hier nur in Relation zu anderen Spielern. Hacks, Cheatcodes, Komplettlösungen etc. Sind alle erlaubt, solange es nicht die Spielerfahrung von anderen ruiniert. Cheats sind für sie eine Bereicherung der Einzelspieler Erfahrung.

Egal wie jemand zu Cheats in seinen persönlichen Gaming-Erfahrungen steht. Jeder ist sich einig, dass Mehrspielererfahrungen heilig sind. Hier dürfen Cheats und Hacks nicht auftreten, da sie den Wettkampf stören und unfaire Vorteile bieten. Cheater in Multiplayerspielen sind schon von Natur aus, Randgruppen, die durch die Spielergemeinschaft ausgeschlossen werden. Sie zu stoppen liegt aber an den Entwicklern und die lassen sich immer neue Methoden einfallen.

Cheater lassen sich nicht stoppen

Es wird immer Cheater geben. Für Spiele, die von einem Online-Multiplayer leben, wird dies zu einem echten Problem. Firmen wie Valve oder Blizzard investieren eine Menge Zeit und Geld um eine faire Umgebung zu erschaffen. Eines der Hauptprobleme für insbesondere PC-Spiele ist es, dass Spieledateien für die Spieler sehr zugänglich sind. Für Leute mit dem richtigen Know-How ist es also ein leichtes sich hier durchzuwühlen um Bugs und Fehler zu finden, die sich ausnutzen lassen. Was Entwicklern dadurch nur übrig bleibt ist es Barrieren zu errichten, die es schwerer machen an diese Dateien zu kommen. Für manche Cheater ist aber genau das der Reiz. Barrieren niederzureißen ist eine Kunst an und für sich und bietet für manche Leute einen ganz besonderen Reiz. Im Message Boards und privaten Foren wird dann besprochen welche Mittel eingesetzt worden sind um in einem bestimmten Spiel zu schummeln. Blizzard ist hiergegen in der Lebenszeit ihres Online-Shooters Overwatch besonders hart vorgegangen. Cheater haben berichtet, dass nicht nur ihr Account, sondern ihre gesamte PC-Hardware von Overwatch gebannt wurde. Selbst nach dem Kauf einer neuen Kopie von Overwatch konnten Cheater nicht erneut in das Spiel einloggen. Die genauen Methoden hinter diesem Perma-Ban wird von Blizzard natürlich nicht öffentlich gemacht um den Cheatern weiterhin einen Schritt voraus sein zu können. Blizzards chinesischer Teil ging sogar noch einen Schritt weiter mit der Bestrafung. Nicht nur wurden Accounts und Hardware gebannt, sondern die Nutzernamen betroffener Cheater wurden veröffentlicht.  Entwickler gehen also zu großen Längen um cheaten zu verhindern und Cheater nehmen das nicht positiv auf bzw. scheinen teilweise ihre Fehler auch nicht einzusehen.

Es ist aber nicht verwunderlich, dass große Firmen, die Turniere mit Preisen in Millionenhöhe keinen Spaß verstehen wenn es um Cheats geht. Valves diesjähriges DOTA 2 Turnier The International hat immerhin einen Preispool von über 24 Millionen Dollar. Das Siegerteam des Turniers erhält rund 10 Millionen Dollar Preisgeld. Jede Form von Schummelei wäre hier ein riesiger Skandal. In Süd Korea, dem Heimatland des kompetetiven Online-Gamings, wurden Maßnahmen gegen Cheater sogar auf politischer Ebene besprochen. Esports Turniere machen immerhin einen großen Teil der Kultur und Wirtschaft aus. Süd Koreas Parlament hatte daher beschlossen, dass es nun strikt gegen das Gesetz ist gegen die AGB eines Videospiels zu verstoßen. Das bedeutet, das verkaufen, handeln oder herstellen von Hacks für zum Beispiel Overwatch könnte mit einer Gefängnisstrafe von bis zu 5 Jahren und einer Geldstrafe im 5 Stelligen Bereich enden.

Das Gesetz in Süd Korea ist ein extrem Beispiel für eine Lösung eines weitreichendes Problem im Online-Gaming. Das Problem ist aber, dass wir eingangs schon festgestellt haben, dass nicht alle Cheats schlecht sind. Manche machen schlicht Spaß. Das Gesetzt bezieht sich aber auf die Modifizierung von Spieldateien und dem Verstoß gegen AGB. In Zeiten von Spielen, die immer mehr auf eine Online-Verbindung angewiesen sind, erlaube eine solche Regelung möglicherweise Verbote von Cheats und Mods, die bisher immer ein integraler Bestandteil von Videospielen waren. Erst kürzlich mache Rockstar Schlagzeilen, da Spieler für den Online Modus gebannt wurden, die allerdings nur Single Player Modifizierungen benutzt haben. Nach großem Aufschrei der Community, ruderte Rockstar zwar wieder zurück, die Grenze zwischen erlaubtem Cheat und verbotener Modifizierung verschwimmt allerdings immer mehr.

Wenn wir als Spieler also cheaten möchten, ist das ok. Jeder darf sich sein Spiel so gestalten wie er möchte und dazu kann es auch gehören die Spielregeln etwas zu dehnen. Allerdings müssen wir aufpassen, dass mit einer simplen Modifikation nicht der Spaß eines anderen gefährdet ist.

Die Wörter des Tages für Projekt August waren: shameful, checkpoint

Beitragsbild: Cassius Marcellus Coolidge – A Friend in Need

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4 Kommentare zu „Cheaten oder nicht Cheaten?

  1. Sobald andere davon Schaden nehmen, cheate ich nicht. Aber im Singleplayer, um den Spaß zu maximieren.. why not? Das gilt bei mir bspw. für The Sims und Age of Empires, wenn am Ende eh gewonnen wurde und ich mit Big Daddy alles niedermache 😉

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  2. Ich muss zugeben, ich bin bei dem Thema ziemlich leidenschaftslos. Ich spiele ohnehin in erster Linie im Singleplayer und bin meistens auf Story und nicht auf Herausforderung aus, da stelle ich im Zweifelsfall für einen Boss auf „sehr leicht“, trickse Mechaniken im Spiel aus und Schummle mich durch die Gegend was das Zeug hält. Die wenigsten Spiele wecken da einfach in mir den Wunsch, die Herausforderung anzunehmen (Dishonored war da z.B. so eine Ausnahme) und nachdem ich ja allein spiele, kommt niemand zu Schaden. (Außer ich selbst je nach Perspektive, weil ich mir ja einen Aspekt des Spielerlebnisses nehme.) Multiplayer ist da natürlich eine andere Angelegenheit, weil ich damit auch anderen den Spaß verderben kann.

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  3. Ich cheate schon seit Jahren nicht mehr. Im Multiplayer habe ich ohnehin nie gecheated. Aber früher regelmäßig im Singeplayer (Age of Empires, Sims, Command and Conquer, Diablo 2), bis ich gemerkt habe, dass durch viele Cheats der Reiz am Spiel komplett verloren geht.

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  4. Früher war es teilweise die Maximierung des Spielsspaßes. Heute nutze ich es immer seltener, weil ich einfach viel weniger Zeit in einem einzelnen Spiel verbringe. Wenn ich nicht mehr weiterkomme, hätte ich früher einen Cheat benutzt. Heute wechsle ich meist einfach das Spiel. Man wird eben zu bequem.

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